5. Mittelaltermarkt - Wasserburg Heldrungen

Im thüringischen Kyffhäuserkreis liegt das kleine Städtchen Heldrungen. Beherrscht wird die Stadt von einer einzigartigen Festungsanlage, der Wasserburg Heldrungen. Ihre Geschichte reicht bis in Jahr 1217 zurück. Thomas Münzer, eine führende Figur im Bauernkrieg wurde 1512 in der Festung inhaftiert, wo er seine letzten Schriften verfasste. Nach ihrer vollständigen Zerstörung wurde die Wasserburg in den Jahren 1664-1668 mit einer einzigartigen Wehranlage versehen und hat sich als Zeugnis bis heute erhalten (weitere Infos zur Burg: www.wasserburg-heldrungen.de)

 

Diese historische Anlage bildet seit Jahren die imposante Kulisse für einen Mittelaltermarkt, der bereits zum fünften Mal von Uwe Schirm organisiert wurde. Vom 24.-25.09.2011 öffnete sich auf der Wasserburg Heldrungen wieder das „Fenster ins Mittelalter“ – so titelte jedenfalls die Thüringer Allgemeine am 26.09.2011.

 

Die Vorbereitungen für einen solchen Mittelaltermarkt dauern oftmals ein ganzes Jahr. Und ehe eine mittelalterliche Zeltstadt aufgebaut ist, vergehen etliche Arbeitsstunden. Jedoch mussten bis Freitag, den 23.09, 22:00 Uhr alle Arbeiten abgeschlossen sein, da das Burgtor ab 22:00 Uhr verschlossen wurde. Manch ein Mittelalterverrückter baute bereits am Mittwoch, den 21.09 sein Lager auf und genoss bis zum Beginn der Veranstaltung das schöne Wetter.

 

Als Samstagfrüh die Morgensonne über den Bergkamm kletterte und die in Nebel gehüllte Landschaft in gleißendes Licht tauchte, erwachte der Mittelaltermarkt allmählich zum Leben. Die Veranstalter waren bereits unterwegs und organisierten für alle Darsteller und Händler frisch gebackene Brötchen, so dass einem erfolgreichen Start in den Tag nichts im Wege stand. Auch die Wettervorhersagen waren vielversprechend und erfüllten sich zum Glück aller Beteiligten.

 

Um 11:00 Uhr öffnete sich dann das „Fenster ins Mittelalter“ auch für die Marktbesucher. Bereits im Torhaus wurden sie durch die Wachmannschaft der Burg in Empfang genommen und um ein paar Euro erleichtert. In der Wasserburg selber erwartete den Besucher eine längst vergangene Zeit. Auf dem Marktplatz, im Zentrum der Festungsanlage, konnten allerlei Waren gehandelt werden. Von handgemachten Seifen, über mittelalterlicher Kleidung, Silberschmuck und Glasperlen bis hin zum Lagerbedarf wurde einiges geboten. Wer jedoch nicht fündig wurde, konnte beim Schmied das ein oder andere anfertigen lassen. Um das Leibliche Wohl kümmerte sich der Schweinebräter oder die Wanderbäckerei. Wer etwas naschen wollte konnte in Teig gebackene Apfelringe kosten. Die Metschenke und die Taverne hielten allerlei Getränke bereit.

 

Aber was wäre so ein Mittelaltermarkt ohne ein ansprechendes Lager, welches einen kleinen Einblick in das Leben unserer Vorfahren gewährt? Auf zwei Bastionen des Außenwalls befanden sich jeweils ein früh- und ein hochmittelalterliches Lager. Beide zusammen zählten an die 100 Zelte. Dazwischen mischten sich auch noch ein paar Verkaufsstände mit Reenactment-Bedarf. Durch die räumliche Konzentration beider Lager versprühten sie ein besonders lebendiges Flair. Überall gab es was zu entdecken und Handwerker zeigten ihr Können.

 

Nicht nur das auf der Wasserburg Heldrungen wieder eingekehrte mittelalterliche Leben verzauberte die Gäste. Ein buntes Programm sorgte zwischendurch immer wieder für Abwechslung. Künstler wie der Gaukler Götz von B. und der Magier Shajan der Dunkle nahmen die Marktbesucher mit auf die Reise. Mit markigen Sprüchen und wunderschönen Illusionen ließen sie das Publikum ihren Alltag vergessen. Für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgten die Musiker der Mittelalterband „Die Lautlosen“. Mit Laute, Sackpfeife und Trommel umrahmten sie das Programm. Der Bettler Hans Nuss trieb ebenfalls sein Unwesen und entlockte den Marktbesuchern mit Witz und Charme ein paar Almosen.

 

Das mittelalterliche Leben war nicht nur von schönen Momenten geprägt. Und so dürfen Kampfvorführungen auf Mittelaltermärkten nicht fehlen. Die Kampfvorführung am Mittag zeigte die Bewaffnung und Kampfweise. Mit kurzen Erklärungen wurden die einzelnen Krieger aus vier verschiedenen Jahrhunderten vorgestellt und ihre Ausrüstung erläutert. Am Nachmittag gab es traditionell wieder eine Schlacht zwischen angreifenden Wikingern und der Burgbesatzung. Damit der Freikampf nicht jedem anderen gleicht wurden Spezialeffekte eingesetzt, um eine stimmungsvolle Atmosphäre zu erschaffen. Mit Rauchpulver wurde der innere Burggraben vernebelt. Aus diesem grauen Schleier stießen dann zwei Boote hervor in welchen sich der Heerführer der angreifenden Wikinger befand. Seine Armee fiel durch das ebenfalls vernebelte Burgtor ein. Nach einem kurzen Geplänkel mit der Burgbesatzung und dem Austausch von Beleidigungen tobte auf der Brücke ein erbitterter Kampf, den die Burgbesatzung leider verlor.

 

Allen Kriegern aus der Reenactment-Szene sei diese Schlacht wärmstens ans Herz gelegt. Es ist wahrscheinlich der einzige „Brückenkampf“ in Deutschland, der auf einem echten Brückenübergang stattfindet. Auch allen Darstellern und Händlern möchte ich diesen Markt ans Herz legen. Es ist ein sehr harmonisches Miteinander und der Veranstalter kümmert sich um die Teilnehmer des Marktes. Sollte ich bei jemandem das Interesse am Mittelaltermarkt in Heldrungen geweckt haben – eine Marktnachlese des Veranstalters und zukünftige Informationen findet ihr unter: www.mittelalter-feste.de.

 

 

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